Nordzucker Post 4/2026 - 28. Mai 2026
Gemeinsam durch außergewöhnlich herausfordernde Zeiten – mit Zuversicht und klarem Kurs
Liebe Leserinnen,
liebe Leser,
Diese Zeiten brauchen Klarheit. Und darum komme ich ohne Umschweife zum Punkt: Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ist aufgrund des Zusammenspiels verschiedener Ereignisse so angespannt und herausfordernd wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Verantwortlich hierfür sind zwei überdurchschnittlich ertragreiche Ernten in Folge in Europa, ein Überangebot an Zucker in der EU, der deutliche Preisverfall, hohe Rohstoff- und Energiekosten sowie ein strukturell rückläufiger Zuckerkonsum. Die vielschichtige Gemengelage schlägt sich in den Zahlen nieder – deutlicher, als wir es noch im vergangenen Jahr erwartet hatten: Der Umsatz von Nordzucker ging im Geschäftsjahr 2025/26 um rund 16 Prozent zurück, das operative Ergebnis liegt bei minus 226 Millionen Euro – ein historisch niedriges Ergebnis für den Konzern.
Preisschwankungen am Zuckermarkt gehören zu unserem Geschäft. Aber die aktuelle Dynamik ist extrem. Die produzierten Zuckermengen waren in den vergangenen zwei Jahren so hoch, dass der Preisrückgang ungewöhnlich stark ausfiel. Hohe Mengenerwartungen auf dem Weltmarkt, sinkende Weltmarktpreise und Effekte aus Zins- und Zollpolitik verstärkten den Negativtrend. Zur Entlastung des Marktes haben wir erneut die Anbaufläche reduziert. Wir gehen daher davon aus, dass sich die Balance zwischen Angebot und Nachfrage verbessert und erwarten mit dem neuen Anbaujahr eine schrittweise Erholung des Preisniveaus.
Diese Zeiten erfordern konsequentes Handeln. Mit unseren Exzellenzprogrammen haben wir frühzeitig die Weichen gestellt, alle Unternehmensbereiche zu optimieren. Das zusätzlich gestartete Sofortprogramm zielt darauf ab, die Verwaltungskosten zu senken, die Netzwerkstruktur in der Produktion zu verbessern und die Profitabilität – insbesondere in Deutschland – zu stärken. Bereits umgesetzt haben wir umfassende Strukturmaßnahmen: So haben wir die Zuckerproduktion in der Slowakei beendet; der Standort wird künftig als Vertriebs- und Logistikzentrum weitergeführt. In Finnland wird unsere Tochtergesellschaft an einem ihrer zwei Standorte die Rohzuckerraffination einstellen. Wir sehen bereits erste positive Effekte – stärkere Wirkung werden die Programme aber erst in den nächsten zwei Jahren entfalten. Wir sind entschlossen, unsere Marktposition möglichst auszubauen.
Wir haben einen klaren Kurs und eine klare Strategie. Unser Fokus liegt auch in Zukunft auf Deutschland und Europa – die Rübe ist und bleibt unser Kerngeschäft. Parallel dazu diversifizieren wir uns mit Zuckerrohr und Smart Ingredients, das heißt mit alternativen Proteinen sowie funktionalen Zutaten. So erhöhen wir unsere Stabilität, verbessern unsere Profitabilität und schaffen langfristige Perspektiven.
Diese Zeiten erfordern Teamwork. In allen Bereichen haben wir die Voraussetzungen geschaffen, um in einem extrem herausfordernden Marktumfeld resilienter zu werden und profitabel zu wirtschaften. Rübenanbau und Zuckerproduktion bleiben eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Einführung des neuen Rübenpreismodells für Deutschland, auf das wir uns gemeinsam mit den Anbauverbänden verständigt haben, war ein wichtiger Schritt und hat eine Signalwirkung für andere Nordzucker-Länder. Es unterstreicht, dass alle Partner entlang der Wertschöpfungskette bereit sind, ihren Beitrag zu leisten, damit die Rübe attraktiv bleibt und langfristige Perspektiven bietet. Das macht mich zuversichtlich. Lassen Sie uns gestärkt durch diese Zeiten kommen.
Es grüßt Sie herzlich
Lars Gorissen, CEO